Start in Frankfurt mit großartigem Programm

Autor: Dr. Wolfgang Wettengel
Mi. 16. November 2011 | 15:43 Uhr



Tutanchamun in Frankfurt bringt wieder Neues. Unser altes Problem, für unsere Ausstellung entsprechend große wie auch geeignete Räumlichkeiten zu finden, wurde in Frankfurt nun mit einer großen, eigenen Halle gelöst. Ähnlich wie bei der Pyramiden-Ausstellung, die vor ein paar Jahren im Frankfurter Palmengarten zu sehen war.

Doch die für unsere Besucher interessantesten Neuerungen betreffen das Programm. Wegen den aktuellen Ereignissen in Ägypten will „Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze“ jungen ägyptischen Kunst- und Kulturschaffenden eine Plattform bieten und ihre Arbeiten hier einem interessierten Publikum nahebringen. Im Rahmenprogramm unserer Ausstellung werden nun neben den wissenschaftlichen Vorträgen namhafter Ägyptologen, neben Führungen und Gruppenevents, auch junge Künstler, Musiker, Maler, Filmemacher und Schriftsteller aus Ägypten das kulturelle Begleitangebot der Ausstellung bereichern. Die aktuellen Ereignisse in Ägypten lassen uns nicht unberührt. In den Werken der Kulturschaffenden Ägyptens spiegelt sich der Zeitgeist so intensiv wie vielleicht nirgends sonst.

Wir hoffen damit, unser Publikum auch für die zeitgenössische ägyptische Kultur zu begeistern. Aber wir wollen auch Brücken schlagen, Brücken zu den Menschen und den aktuellen Ereignissen in Ägypten. Es lohnt sich, immer wieder mal einen Blick auf unsere Webseite zu werfen. Hier findet man alle Termine und Veranstaltungsorte.

Ein paar Kostproben aus unserem Programm: Am 24. November findet z.B. eine Lesung mit dem bekannten Autor Khaled Al-Khamissi „Im Taxi – Unterwegs in Kairo“ statt. Die Taxifahrer Ägyptens kennen Land und Leute wie kaum jemand sonst. Was man von den oft redseligen Fahrern über die Menschen dieser unglaublichen Stadt mit ihrer Zusammenballung von Millionen von Schicksalen so nebenbei erfährt, ist witzig wie informativ zugleich. Oder die ägyptische Bloggerin Ghada Abdelaal mit ihrem Buch „Ich will heiraten! Partnersuche auf ägyptisch“. Locker und humorvoll plaudert sie über ihre Erlebnisse bei der Suche nach einem Partner, provoziert dabei verkrustete Traditionen, verweist aber auch immer wieder auf manche Tragik, die hinter dem Schicksal der Ägypterinnen steht, die sich zu emanzipieren versuchen. Die Lesung aus ihrem Buch findet am 9. Februar nächsten Jahres statt. Durch beide Abende führt die Spiegel-Online –Kolumnistin Kristina Bergmann, die auch die Bücher ins Deutsche übersetzt hat.
Zu den weiteren Highlights unseres Programms zählt auch ein Abend mit dem jungen ägyptischen Regisseur Marwan Hamed. Er wird seine Bestseller-Verfilmung des „Jakubijan Bau“ am 14. Dezember vorstellen. Der Film entstand nach dem Buch des in Ägypten berühmten Schriftstellers Alaa Al-Aswani. Al-Aswani, der hauptberuflich Zahnarzt ist, hatte seine Praxis in einem großen Haus in der Kairoer Innenstadt, das er zum Schauplatz seines Romans machte. Hier lernte er Menschen mit ihren Träumen und Hoffnungen kennen, aber auch Gewalt, Enttäuschungen und Ausweglosigkeit. Das Filmprogramm wird übrigens im Frankfurter Kunst- und Kulturkino „Cinema“ zu sehen sein, wo Marwan Hamad seinen Film vorstellen wird.

Mit unserem neuen Kulturprogramm lassen sich Ägyptens wenig bekannte Seiten entdecken. Vielleicht können wir auch die positiven Kräfte der Veränderung ein bisschen unterstützen. Denn gerade in diesen Monaten wird es sich entscheiden, welchen Weg die Völker Nordafrikas einschlagen wollen.

Ich denke, Ägypten kommt dabei, wie so oft in seiner jahrtausendealten Geschichte, wieder einmal eine Schlüsselrolle zu.

Ihr Dr. Wolfgang Wettengel

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Ägyptologe und wissenschaftlicher Leiter der Ausstellung
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