Autor: Dr. Wolfgang Wettengel Fr. 01. April 2011 | 13:28 Uhr
Das Interesse unserer Besucher an einer wissenschaftlichen Erklärung des „Fluches des Pharaos“ konzentriert sich immer wieder um ein Thema: Kann es sein, dass der Tod von Lord Carnarvon durch verseuchte Luft verursacht wurde, hervorgerufen durch Sporen des gefährlichen Schimmelpilzes Aspergillus Flavus?
Zur Theorie mit den Schimmelpilzen im Grab hier ein paar Gedanken. Von den wissenschaftlichen Versuchen, den „Fluch“ bezüglich Gifte, Pilze etc. zu begründen, ist letztlich keiner haltbar. Die Gräber und Mumien waren im fast regenlosen Ägypten sehr trocken. Auch der Pilzbefall an den Grabwänden, den man in der Malerei als kleine Punkte sehen kann, ist wohl schon seit der Antike inaktiv. Dieser Pilz an den Wänden könnte durch eindringende Feuchtigkeit nach einem intensiven Regenfall hervorgerufen worden sein, denn das Grab liegt in der Talsohle des Tals der Könige. Auch könnte die Feuchtigkeit von Lebensmittel stammen, die man dem Pharao auf seine Reise ins Jenseits mitgab. Für eine Vergiftung durch Schimmelpilzsporen nach Jahrtausenden ist dies jedoch, wie auch die zahllosen Theorien über gezielt angebrachte Gifte oder gar Radioaktivität, nicht von Relevanz. Etwas derartiges hat man nirgends im Grab des Pharao gefunden. Auch keine anderen bösartigen Keime, denn das hat bereits Howard Carter in einem Labor untersuchen lassen. Die Gründe für den Glauben an einen Fluch liegen, wie ich schon einmal in einem früheren Blog angedeutet habe, viel mehr im kulturgeschichtlichen Bereich. Man glaubte schon in der Antike, dass die altägyptischen Totenpriester ganz besondere magische Fähigkeiten besitzen würden. Schließlich ist ja in den Totenbüchern der Ägypter immer wieder die Rede davon, dass die Mumien wieder zu neuem Leben erweckt werden sollen, wenn auch im Jenseits. Und auch Flüche gab es durchaus in ägyptischen Gräbern. Diese aber richteten sich vor allem an antike Bedienstete des Totenkultes, den solche Personen erlagen oft der Versuchung, aus den ihnen anvertrauten Gräbern Gegenstände zu entwenden.
Als eine der Folgen der andauernden Grabräubereien in Ägypten durch Einheimische wie durch Europäer entwickelte sich erst viel später im 19. Jahrhundert unter Schriftstellern ein spezieller Romantypus, in dem unheilbringende Mumien eine Rolle spielten. Die von Spiritisten als frevelhaft betrachtete Öffnung des Grabes von Tutanchamun löste nach dem Tod von Lord Carnarvon schließlich eine wahre Lawine von Geschichten aus. Einige Reporter und Schriftsteller haben fast jeden Tod eines Ägyptologen, und sei er noch so alt geworden, mit dem Fluch des Pharao zu erklären versucht, was insbesondere bei hochbetagt verstorbenen Forschern völlig absurd klingt. Wie sich die Geschichten um den Fluch aufgebaut haben, das bleibt ein spannendes wie interessantes Thema. Der „Fluch des Pharao“ hat es in der Tat mehr in sich, als man auf den ersten Blick vermuten möchte. Wer möchte, kann über die Hintergründe des Fluches in einem kleinen Büchlein, dass man nur bei uns in der Ausstellung findet, einiges mehr erfahren.
Diesen Beitrag Kommentieren
Verwenden Sie das folgende Formular, wenn Sie einen Kommentar zu diesem Artikel abgeben möchten.
Diesen Beitrag Kommentieren
Verwenden Sie das folgende Formular, wenn Sie einen Kommentar zu diesem Artikel abgeben möchten.