Autor: Dr. Wolfgang Wettengel
Mi. 28. April 2010 | 10:39 Uhr
Hallo! Mein Sohn und ich haben heute die Ausstellung besucht. Wir würden gerne wissen, wie lange die Bestattung Tutanchamuns gedauert hat, bzw. wie lange an den Grabbeigaben und den Schrein und den Särgen gearbeitet wurde? Wie lange dauerte der Bau einer Pyramide?
Anmerkung des Tutanchamun-Ausstellungs-Teams
Liebe Frau Scheyder,
Das wissen wir leider nicht, weil es da keine Aufzeichnungen gibt. Sicherlich hat man mehrere Jahre an den Beigaben und an der Grabkammer arbeiten müssen, an letzterer vielleicht sogar 10-20 Jahre. Laut einem Bericht aus späterer Zeit sollen Mumifizierung und Bestattung 70 Tage gedauert haben. Für den Bau einer Pyramide rechnen wir ebenfalls mit 10-20 Jahren, je nach Größe..
Herzliche Grüße,
Ihr Dr. Wolfgang Wettengel
Auch wenn der Beitrag schon etwas älter ist, möchte ich auch kurz etwas dazu sagen: Ich habe Ägyptologie studiert, und es ist weder ein einfaches Studium (Allein die vielen Schriften, doch gibt es leider viele Menschen, die nicht so recht wissen, was man da macht und deshalb denken, es wäre alles total easy.), noch findet man danach einen Job in dem Fachbereich, wenn man es sich nicht leisten kann, noch ein paar Jahre dranzuhängen und zu promovieren und/oder nicht die richtigen Leute kennt. Deshalb würde auch ich sofort jedem davon abraten. Ich kenne Menschen, die die Ägyptologie schon viele Jahre als Hobby betreiben und damit sehr glücklich sind. Glücklicher als die Ägyptologieabsolventen, die ich kenne. Ägyptologie als Hobby ist ein guter Kompromiss. Meine Faszination für Ägypten ist immer noch da, war sie immer und wird sie auch immer bleiben. Aber leben kann ich davon nunmal nicht, und ohne Vitamin B geht überhaupt nichts, auch wenn das die erfolgreichen Ägyptologen sicher ungerne hören, doch es ist einfach die harte Wahrheit. Ein 1er Schnitt, Leidenschaft und Engagement alleine reichen nicht! Deshalb sollte man sich dieses Studium nicht zweimal, sondern 10mal überlegen! Wer sich doch nicht davon abhalten lässt, muss genau recherchieren, an welcher Uni es die besten Fördermöglichkeiten und engagierte Dozenten gibt. Und sollte ein gewisses Vermögen in der Hinterhand haben, z. B. für unbezahlte Praktika in aller Welt. Ich weiß, es klingt, als sei ich furchtbar verbittert, doch kann mir jeder glauben, dass ich nur ein realistisches Bild zeichne und mir diese Worte jeder, der mit mir studiert hat, bedenkenlos abnicken würde. Die meisten meiner Mitabsolventen machen nun ein nicht verwandtes Zweitstudium und fangen nochmal komplett von vorne an.
Anmerkung des Tutanchamun-Ausstellungs-Teams
Liebe Sara,
das Problem, nach einem Studium der Ägyptologie einen Job an einer Uni, einem Museum oder bei einer Ausgrabung zu finden, betrifft in der Tat die meisten Absolventen dieses Fachs. Aber nicht nur hier ist das so. Es betrifft m. E. die Geisteswissenschaften insgesamt. Dafür, so muss ich seit Jahrzehnten von politischer Seite hören, seien kaum Mittel da, was gerade im Angesicht der aktuellen Politik wie eine schallende Ohrfeige klingen mag. Es wäre generell so wichtig, wenn in den Geisteswissenschaften mehr passieren würde, denn diese Wissenschaften geben Antworten auf alle menschlichen Grundfragen. Das hat nicht nur schon Goethe ganz klar gesagt. Es ist und bleibt somit eine Frage des Stellenwertes, den man diesen Fächern zumisst. Gerade die Antworten, welche die Ägyptologie geben kann, könnten einiges dazu beitragen, dass wir unser Lebensumfeld bewusster gestalten, als wir es derzeit tun.
Der neuartige Ansatz von "Tutanchamun - Sein Grab und die Schätze" arbeitet von Anfang an ohne irgendwelche staatlichen Gelder. Es ist das einzig immense Interesse der Öffentlichkeit (wir hatten bislang etwa 3 Millionen Besucher!), das uns voranbringt. Unsere Ausstellung geht dabei über das Thema Tutanchamun und eine spannende Ausgrabungsstory weit hinaus, wie jeder interessierte Besucher sehr rasch bemerken wird. Wir als Ägyptologen haben uns zusammen mit allen beteiligten Ausstellungsmachern bemüht, neben der wissenschaftlich fundierten Information über Carters Entdeckung und über das alte Ägypten auch vieles an Kulturphilosophie in die Ausstellung einzubinden. Wer sich darauf einlässt, spürt dies und profitiert davon.
Alles Gute und viele Grüße,
Dr. Wolfgang Wettengel und das Ausstellungsteam
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