Das Gold des Pharaos

Autor: Dr. Wolfgang Wettengel
Mo. 24. Januar 2011 | 13:02 Uhr



Ägypten ist ein Geschenk des Nils. Doch seinen antiken Reichtum verdankte das Land nicht nur dem berühmten Fluss, der das fast regenlose Tal ähnlich einer riesigen Oase mit lebensnotwendigem Wasser versorgt. Die zweite Quelle für den legendären Reichtum der Pharaonen waren Goldvorkommen. Über Jahrtausende verfügten die ägyptischen Könige über ergiebige Minen. Heute, im Zuge ständig steigender Goldpreise, ist die Frage nach den pharaonischen Goldquellen übrigens wieder ein spannendes Thema für den modernen ägyptischen Staat.

Allein für die wunderbar gearbeitete Goldmaske und den massiven inneren Sarg von Tutanchamun wurden gut 120 kg des edlen Metalls verarbeitet. Hinzu kommt etliches für Schmuck und an Blattgold für die großen Schreine und vergoldete Objekte. Und was die Diebe bei der antiken Einbruchsaktion an Edelmetall aus dem Grab gestohlen haben, darüber können wir nur spekulieren.

Woher kam eigentlich das pharaonische Gold? Die Ägypter haben es mühsam in der Wüste gewonnen. Ein gut organisierter Bergbau wurde im Alten Ägypten seit Anbeginn der Pharaonenzeit betrieben, also bereits vor etwa 5000 Jahren. Bekannt sind uns heute vor allem die Türkis- und Kupferminen der Halbinsel Sinai. Seltene Hartgesteine wurden vor allem in der Wüste östlich des Niltals gebrochen. Daraus erschufen pharaonische Bildhauer die berühmten Statuen von überzeitlicher Schönheit. Aus der östlichen Wüste kam auch Gold – und aus der Region südlich, aus Nubien. Nubien, der Name bedeutet soviel wie „Goldland“. Silber gab und gibt es in Ägypten übrigens kaum. Daher war den Pharaonen das Silber über lange Zeit noch kostbarer als das gelbe Edelmetall. Man kam nur an Silber heran, indem man es aus dem Mittelmeerraum importierte oder über Tribute erhielt.

Bereits beim Aufspüren der goldhaltigen Lagerstätten gingen die altägyptischen Prospektoren mit einer erstaunlichen Gründlichkeit und Professionalität vor. Man fand schnell heraus, dass das kostbare Metall in geringen Spuren in Quarzadern enthalten ist, welche die östlichen und südlichen Wüsten durchziehen und an einigen Stellen an die Oberfläche treten. Kaum eine Ader wurde übersehen in den unübersichtlichen Weiten der gebirgigen Wüsten. Als man oberirdisch alles ausgebeutet hatte, begann man unter die Erde mit Hilfe von Stollen und Gängen vorzudringen. Heute kennt man über 700 Örtlichkeiten, an denen pharaonisches Gold gewonnen wurde.

Der Abbau des Goldes in den trockenen und heißen Wüsten muss äußerst mühsam gewesen sein. Welcher Aufwand hier betrieben wurde, das lässt sich anhand einer gewaltigen Steinbruchexpedition mit über 8000 Mann ermessen, die Ramses IV. ins Wadi Hammamat ausrüsten ließ, um Material für seine Statuen zu gewinnen. Eine Landkarte aus dieser Zeit (heute im Museum Turin) schildert den Weg durch dieses Tal. Über das Wadi Hammamat gelangte man auch zu einigen der Goldminen. Vermutlich hat man dort hauptsächlich im Winter gearbeitet, denn im Sommer erreichen die Temperaturen in der Wüste über 45 Grad im Schatten.

Gewonnen wurde das Edelmetall, indem man den glasig harten Quarz aus den Adern gebrochen hat. Das Zermürben des Gesteins geschah laut dem antiken Schriftsteller Diodor mit Hilfe von Feuer. Danach musste der Quarz zu feinem Sand zerpulvert werden, damit das schwere Metall, das nur in geringen Spuren von etwa 1 ½ Dutzend Gramm pro Tonne enthalten war, aufwändig mit Wasser und mit Hilfe von Goldwäscherpfannen aus dem Quarzsand herausgewaschen werden konnte. Und dabei lagen die Stellen, an denen das Gold der Wüste abgebaut worden ist, viele Dutzend Kilometer vom nächstgelegenen Wasser entfernt! Wie die Ägypter das logistisch hingekriegt haben, dies ist uns nach wie vor ein Rätsel, dass uns in Erstaunen versetzt.

Im Neuen Reich, zu Tutanchamuns Zeit, erreichte die Goldproduktion Ägyptens einen Höhepunkt. Bleibt noch die Frage, wie viel Gold die Ägypter zur Zeit der Pharaonen wohl abgebaut haben? Fachleute schätzen, dass es insgesamt gut 3000 Tonnen gewesen sein könnten.

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Dr. Wolfgang Wettengel



Ägyptologe und wissenschaftlicher Leiter der Ausstellung