Die Geburt des Lichtes
Autor: Dr. Wolfgang Wettengel
Mi. 22. Dezember 2010 | 16:23 Uhr
Die Ursprünge des Weihnachtsfestes liegen in den antiken Riten von der Geburt des Lichtes. Heute möchte ich die Gelegenheit nutzen, mal etwas darüber zu schreiben. Lichtsymbolik findet sich bereits am Anfang eines der Evangelien:
„Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht ergriffen.“
Diese Worte, die man in der Einleitung des Johannesevangeliums nachlesen kann, haben meine Aufmerksamkeit immer wieder erregt. Denn mit dem Licht hat der Evangelist vor fast zwei Jahrtausenden ein Bild verwendet, das damals von den Leuten sofort verstanden wurde. Mit diesem Bild wollte er seine neue Religion, das Christentum, einbinden in eine Jahrtausende alte Tradition. Es ist dies die Tradition der Sonnenkulte.
Der Kampf des Lichts gegen die Dunkelheit ist zunächst einmal ein Gleichnis für den Lauf der Sonne. Die jahreszeitliche Bewegung der Sonne, die Wintersonnenwende, Sommersonnenwende und die Tag- und Nachtgleiche im Frühjahr und im Herbst, hat in vielen Kulturen eine wichtige Rolle gespielt. Ging es doch darum, des Sonnenlauf rituell zu begleiten. Denn nur so war die Stabilität der Welt nach Ansicht der alten Kulturvölker gesichert.
Im übertragenen Sinne wird aus dem ewigen Naturschauspiel, in dem das Licht vorübergehend der Finsternis weichen muss – sei es im täglichen oder im jahreszeitlichen Zyklus der Sonne – ein zeitlos gültiges Ereignis: Die immerwährende Auseinandersetzung des Sonnengottes mit den Mächten der Dunkelheit. Dieser Kampf endet natürlich mit dem Sieg des Lichts, sonst würde die Sonne nicht mehr erscheinen. Im übertragenen Sinn siegen damit die Kräfte des Guten. Ein mythisches Bild, das bis heute nichts an Aktualität und Faszination verloren hat.
Aber diese Spur weiter zu verfolgen, wäre ein anderes spannendes Thema. Konkret wurzelt das Weihnachtsfest, wie gesagt, in alten Kulten und Mysterien. Da man die antiken Götter vermenschlichte, wurden sie ähnlich wie Menschen geboren. Mysterien von der Geburt des lebensspendenden Lichts sind noch wesentlich älter als die griechisch-römische Antike. Im alten Ägypten wurde die Sonne an jedem Morgen als Kind neu von der Himmelsgöttin geboren. Und mit der Geburt des Lichtes wurden auch die Widersacher des Sonnenkindes, die Mächte der Dunkelheit, in die Schranken gewiesen. Letzterer Aspekt sollte später im Christentum eine zentrale Rolle spielen, den diese Mächte verkörpern seit je das Übel.
In der römischen Spätantike feierte man schließlich das Fest der Sonnengeburt in den Tagen um den 21. bis 25. Dezember zu Ehren des Gottes Sol Invictus, der „Unbesiegbaren Sonne“. Die Geburt des Jesuskindes wurde in der Frühzeit des Christentums bewusst in diese Zeit gelegt, vielleicht nicht nur aus Gründen der Konkurrenz, sondern auch deswegen, weil man an eine alte Tradition anknüpfen wollte. Weihnachten erinnert damit heute noch an das antike Vorbild, ähnlich wie die einleitenden Worte des Johannesevangeliums.
Wer sich in den frühen Kulten umsieht, der erkennt rasch, wie viel an uraltem Gedankengut ins Christentum tradiert worden ist. Unser Weihnachtsfest führt eine bedeutende Tradition fort, die in den Tiefen der Jahrtausende wurzelt. Und es erscheint mir wichtig, dass wir uns dessen bewusst sind.
Ein Frohes Fest wünscht Euch,
Euer
Dr. Wolfgang Wettengel
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