Die Zukunft des pharaonischen Weltkulturerbe

Autor: Dr. Wolfgang Wettengel
Mi. 09. Februar 2011 | 10:40 Uhr



Es gibt auch gute Nachrichten, was das derzeit gefährdete Erbe der Pharaonen betrifft. Laut einer Mail der Ägyptischen Antikenverwaltung an Wissenschaftler und Ägyptologen gab es zwar einige Plünderungen an archäologischen Stätten, Magazinen und im Kairoer Museum, doch sollen sich die Schäden in Grenzen halten. Mittlerweile sichert die ägyptische Armee die Altertümer. Es scheint im Moment so, als wäre die Gefahr gebannt. Doch genaues ist nicht bekannt.

Positiv auch: Die Plünderungen waren keine regierungsgesteuerte Aktion. Theorien, wonach diese durch gezielte Provokationen initiiert worden sein sollen, erweisen sich mehr und mehr als haltlos. Zu dilettantisch waren die einzelnen Aktionen. So hielten einige der Einbrecher die billigen Kopien im Souvenirshop des Ägyptischen Museums für Originale und nahmen mit, was sie tragen konnten, weil sie glaubten, sie wären in einem Ausstellungsraum des Museums. Von den Einbrechern, die sich durch ein Deckenfenster des Museums abgeseilt hatten, stürzte einer in eine Vitrine und verletzte sich dabei so schwer, dass er nicht mehr fliehen konnte. Und eine Gruppe von zehn Plünderern wurden von Soldaten überrascht, als sie außen an der Westwand des Museumsgebäudes hochklettern wollte. Doch die Zerstörung von vergoldeten Statuen aus dem Grabschatz des Tutanchamun (im Blog letzte Woche habe ich bereits darüber berichtet) und von etlichen kostbaren Artefakten im Museum bleibt leider Tatsache. Vor allem die 4000 Jahre alte, einzigartige Modellarmee des Meseti aus dessen Grab in Mittelägypten hat arg gelitten.

Die Berichte über die beschädigten Mumien des Museums sind nach wie vor widersprüchlich. Alle Ägyptologen warten derzeit noch auf genaue Information, was wirklich im Kairoer Museum geschah. Auch die Tempel und archäologischen Stätten Oberägyptens scheinen gesichert. Versuchte Plünderungen an einzelnen Stätten wurden von Soldaten und Einheimischen abgewehrt. Im „Tal der Könige“ in Luxor scheint nichts geschehen zu sein.

Ganz so glimpflich kamen einige der archäologischen Stätten in den letzten 10 Tagen allerdings nicht davon. Im Moment ist noch manche Information widersprüchlich, da der Zugang für Journalisten und Ägyptologen wegen der strengen militärischen Bewachung vielerorts nicht möglich ist. Geplündert wurde südlich von Kairo, wo sich Grabräuber zu schaffen machten. Dort sollen auch die archäologischen Magazine der tschechischen Ägyptologie und der Uni Kairo in Sakkara beraubt worden sein.

Zuletzt noch eine gute Nachricht von Dr. Stephan Seidlmayer, dem Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Kairo. Er betont die besondere Freundlichkeit, Ermutigung und Hilfsbereitschaft, die er in diesen Tagen in Ägypten von Ägyptern erfahren hat. Zwar sind die eigentlichen (sozialen und bevölkerungspolitischen) Probleme in Ägypten nach einem Machtwechsel noch lange nicht gelöst, auch wenn sich dies viele wünschen, doch das Statement von Seidlmayer lässt hoffen, dass das Erbe der Pharaonen für die Zukunft der Menschheit gesichert werden kann.

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Ägyptologe und wissenschaftlicher Leiter der Ausstellung