Autor: Dr. Wolfgang Wettengel
Mo. 05. Dezember 2011 | 14:41 Uhr
Was mich wundert an Ihrem Beitrag ist der Hinweis, Echnaton sei der erste Monotheist der Weltgeschichte. Nach meiner Kenntnis waren monotheistische Juden in Ägypten, seitdem Joseph, ein Enkel des Abraham (ca. 2000 v. Chr.), nach dem Verkauf durch seine Brüder in Ägypten zu Amt und Ehren gekommen war und nach einer schweren Dürre seine ehemalige Familie im reichen Ägypten gnädig aufgenommen hatte. Der monotheistische Gedanke müsste demnach im alten Ägypten bekannt und sicher auch diskutiert worden sein. Echnaton (ca. 1500 v. Chr.) hat dann wohl eher eine ägyptische Variante des jüdischen Glaubensmodells kreiert. Wenn es stimmt, dass Ramses II. (der Große, ca. 1300 v. Chr.) der Pharao war, der sich mit Moses auseinander setzte und das jüdische Volk ziehen liess, so sollten mit den Juden auch die letzten monotheistischen Ägypter Ägypten verlassen haben, d.h. es ging bei dieser Auseinandersetzung nicht nur um ein paar Arbeitssklaven, sondern möglicherweise auch um die Frage: wer hat die wahre Religion? Ich denke, die Geschichte hat diese Frage inzwischen beantwortet.
Anmerkung des Tutanchamun-Ausstellungs-Teams
Sehr geehrte Frau Müller-Lesshafft,
besten Dank für Ihren Beitrag! Das Thema, das Sie ansprechen, ist spannend wie komplex, daher erlaube ich mir, Ihnen etwas ausführlicherzu antworten. Was die Jahrezahl der Zeit des biblischen Joseph betrifft, die Sie nennen (ca. 2000 v. Chr.), so befinden wir uns hier leider auf äußerst unsicherem Terrain. Was weiß man wirklich? Die Alttestamentforschung geht seit geraumer Zeit davon aus, dass die berühmte Josephsgeschichte nicht vor 800 v. Chr. niedergeschrieben worden sein kann. Dies kann die Ägyptologie mit dem Namen von Potiphar, dem ägyptischen Dienstherrn von Joseph, sehr gut untermauern. Dieser Name lautet in hieroglyphischer Umschrift Pa-di-pa-Ra und bedeutet „Der von Ra (Sonnengott) Gegebene“, ein typischer Name, wie er erst nach der Jahrtausendwende v. Chr. unter den ägyptischen Namen auftaucht.
Die Josephsgeschichte scheint aber eine Rückprojektion in die Zeit des Neuen Reiches zu sein. In diese Zeit passen die Schilderungen der ägyptischen Verhältnisse, wie man schon vor längerer Zeit herausgefunden hat. Und nach Mitte des 2. Jt. v. Chr. haben einige Einwanderer aus Palästina nachweislich erstaunliche Karriere in Ägypten gemacht, sehr viele dann ab der Zeit der Ramessidenkönige, wie man aus zahlreichen Dokumenten ersehen kann. Die Gründe für die Abfassung der Josephsgeschichte wie auch für deren Rückprojektion werden heute als religiös-politisch motiviert betrachtet. Historisch lässt sich da an Personen leider nichts greifen.
Die Entstehung des Monotheismus im alten Israel wird als längerer Prozess gesehen. Jan Assmann, der wohl derzeit weltweit berühmteste Ägyptologe und renommierter Kulturwissenschaftler, sieht mit zahlreichen Alttestamentlern die Vorformen des israelischen Monotheismus zweifelsfrei im 14. Jahrhundert in Ägypten (siehe: Jan Assmann, Moses der Ägypter. Entzifferung einer Gedächtnisspur. Carl Hanser, München 1998). Die Regierungszeit Echnatons (um 1340 v. Chr.) war mit der Verehrung des einzigen Gottes Aton weithin monotheistischgeprägt. Und auch Siegmund Freuds berühmte Moses-Studie suchte bereits vor Jahrzehnten den Ursprung des Monotheismus in Ägypten unter Echnaton.
Mit besten Grüßen,
Dr. Wolfgang Wettengel
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