Ein Blick hinter die Kulissen: Wie „Tutanchamun - Sein Grab und die Schätze“ entstanden ist

Autor: Dr. Wolfgang Wettengel
Sa. 01. Mai 2010 | 10:56 Uhr



Es ist fast 8 Jahre her, da haben sich in Hamburg zwei Ägyptenbegeisterte zusammengefunden. Paul Heinen war unter ihnen – und Wulf Kohl. Wulf lebt seit vielen Jahren in Kairo, ist Künstler und ein Fan von ägyptischer Kultur. Immer wenn er wieder in Hamburg war, traf er sich mit Paul und erzählte über Kairoer Werkstätten, die alte handwerkliche Techniken beherrschen und ägyptische Kunstwerke kopieren. Da hatte Paul plötzlich eine Idee. Ideen zu entwickeln, das ist überhaupt das Spezialgebiet von Paul Heinen. Wie wäre es, meinte Paul zu Wulf, wenn wir mal eine wirklich große Ausstellung zu Tutanchamun machen würden. Wulf meinte nur, unmöglich, denn die Ägyptische Altertümerverwaltung und das Kairoer Museum würden nie eine größere Anzahl an Objekten aus dem Grab von Tutanchamun herausgeben. Schon aus konservatorischen Gründen ist es nicht möglich, den Grabschatz Tutanchamuns auf Ausstellungstournee zu schicken. Tatsächlich touren immer nur ein paar Dutzend Originale aus dem Tut-Grab in den Wanderausstellungen. Aber wie wäre es denn, so dachte Paul weiter, wenn wir den Grabschatzes in guten Kopien präsentieren würden! Wulf könnte das ja in Ägypten managen. Zugegeben, die Idee war ungewöhnlich, aber faszinierend.

Der Teufel steckt auch hier, wie immer, im Detail. Wie soll so was umgesetzt werden? Kann man so was Gigantisches wie die großen, vergoldeten Schreine überhaupt nachmachen? Wie kann man solch ein schwieriges Thema fachlich bewältigen? Und wie soll man das dann präsentieren? Ein Konzept musste her. Und davor stellt sich noch die Frage, wer kann so was finanzieren?

Eines Tages – es war, glaube ich, ein Dezembertag – bekam ich einen Anruf aus Hamburg. Am Apparat war Frank Mehlin. Ich wusste noch nichts von Pauls Idee und kannte auch Frank bis zu diesem Telefonat nicht. Er suchte einen Ägyptologen, der bei so einem Projekt mitmacht. Ich fand Paul Heinens Idee großartig und mir war auch sofort klar, dass dies nur mit Kopien zu machen ist. Das Ägyptologische war dann ab jetzt mein Part. Und der von meinen alten Bekannten und Studienkollegen Martin von Falck, mit dem ich schon Museumsausstellungen gemacht habe.

Paul aber hatte in der Zwischenzeit einen Finanzier gefunden. Eines Tages tauchte Christoph Scholz in unserer Runde auf. Christoph kam von Dieter Semmelmann von Semmel Concerts, einem der größten Konzertveranstalter in Deutschland. Und Christoph wurde unser Projektleiter. Dank seinem Organisationstalent ging nun alles Schlag auf Schlag. Ein schier unmögliches Projekt nahm rasant Fahrt auf. Christoph brachte uns mit dem Ausstellungsarchitekten Rainer Verbizh und dem Münchner Graphikerbüro Wangler & Abele zusammen. Facts and Files recherchierten das von uns gewünschte Bildmaterial, und Anne Marie von Sarosdy fotografierte die Objekte, die nun aus Kairo eintrafen. Die Filmemacherin Britta Wauer kam dazu. Es sollte die Geschichte des Königsgrabes und seiner Entdeckung erzählt werden, mit Filmen (Nena Komponist und Musiker Uwe Fahrenkrog-Petersen komponierte die Musik) und mit Objekten wie in einer klassischen Museumsausstellung, zu der aufwändige Graphiktafeln und wissenschaftlich fundierte Texte gehören, die dem Besucher interessante Informationen über das Alte Ägypten mit auf den Weg geben.

Im Frühjahr 2008 war es soweit. „Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze“ startete fulminant in Zürich. Ein ganzer Stab von hochmotivierten Mitarbeitern sorgt seitdem dafür, dass die Ausstellung immer wieder neu aufgebaut wird und alles läuft. Und was mich besonders freut: Nicht nur Besucher begeistern sich für unser Projekt, sondern auch Wissenschaftler. Mit dem Griffith Institute in Oxford entsteht gerade ein weiteres Projekt. Im Griffith befindet sich ein bedeutender Teil der umfangreichen Hinterlassenschaft von Howard Carter, dem Entdecker des Grabes von Tutanchamun.

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Dr. Wolfgang Wettengel



Ägyptologe und wissenschaftlicher Leiter der Ausstellung