Ein Fotograf, der die Kunst beherrscht, Kunst zu fotografieren
Autor: Dr. Wolfgang Wettengel
Mo. 12. Juli 2010 | 11:45 Uhr
Fotografie hält Momente fest. Fotografie vermag aber auch, das auf den ersten Blick nicht Sichtbare durch den Blick und durch die Kunst des Fotografen hervorzuzaubern. Eine der sehenswertesten Ausstellungen über die lebendige und farbenfrohe Bilderwelt ägyptischer Gräber, in der verborgene Schönheit sichtbar wird, ist A Secret Voyage – Geheimnisvolles Ägypten. Die Ausstellung ist in diesem Frühjahr in Zusammenarbeit mit Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze entstanden. Sie kann noch bis zum 22. August im Museum für Völkerkunde in Hamburg besucht werden.
Sandro Vannini hat die zauberhaften Bilder für diese Ausstellung fotografiert. Die Texte dazu sind von ihm und von Zahi Hawass. Mit Dr. Hawass, dem Chef der Ägyptischen Altertümerverwaltung, arbeitet Vannini seit über 10 Jahren in ägyptischen Gräbern und bringt dabei verborgene Schätze ans Licht. Diese Schätze sind nicht aus Edelmetall. Es sind faszinierende Bilder. Bilder, die von einer atemberaubenden Schönheit sind. Seit einigen Jahren erscheinen sie nach und nach in Prachtausgaben. Vannini und Hawass führen eine Tradition fort, die vor etwa 1 ½ Jahrhunderten mit der frühen Ägyptenfotografie begann.
Vannini fotografiert nicht einfach nur. Er ist ein Künstler: Ein Fotograf, der die Kunst beherrscht, Kunst zu fotografieren. Perfekt fängt Vannini ganze Wandmalereien von bis zu 16 m Länge mit seiner Kamera ein, fotografiert diese Szenen in engen Grabkorridoren von nicht einmal 2 m Breite. Dies geht natürlich nur mit modernster digitaler Technik: Bis zu tausend Einzelbilder müssen von solch einer Wandmalerei gemacht werden, die dann mit Hilfe des Computers zusammengesetzt ein einziges Bild ergeben. Und das bei Arbeiten unter Staub und oft über 40 Grad Hitze!
Doch die Schönheit liegt meistens im Detail. Und Details gibt es bei Vannini überreichlich zu sehen. Vannini und Hawass haben dabei erkannt, dass die Malerei der alten Ägypter oft mit Gedanken in Verbindung steht, die auch in Literatur der Ägypter zum Ausdruck kommen. Wenn wir z.B. in den Malereien auf Frauenbilder von außergewöhnlicher Schönheit treffen, so hängt dies einmal mit dem Schönheitsideal der Ägypter zusammen, denn in Schönheit spiegelte sich das Göttliche. Andererseits aber ist das Frauenbild in der ägyptischen Kunst ein Ausdruck der hohen Wertschätzung, welche die Frau bereits in der alten Zivilisation am Nil genoss.
Das Unternehmen von Vannini ist aber auch ein Arbeiten gegen die Zeit. Denn die Entdeckung der Gräber birgt immer einen großen Nachteil. Solange Grabkammern und Wandmalerei von Sand verschüttet und somit von Luft und Umwelteinflüssen geschützt sind, halten sich die auf mineralischer Basis hergestellten Farben der alten Ägypter prächtig über Jahrtausende. Nachdem aber seit etwa 200 Jahren (Ägypten boomt im Prinzip seit der Zeit der Wiederentdeckung seiner Altertümer durch die Expedition von Napoleon Bonaparte) ein Grab nach dem anderen entdeckt und freigelegt wird, kommt auf uns die große Verantwortung zu, dieses Erbe für die Zukunft zu erhalten. Vielfach wird das leider nicht gelingen. Dadurch erhält das umfangreiche Werk von Vannini und Hawass einen besonderen, zusätzlichen Stellenwert.
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