Autor: Dr. Wolfgang Wettengel Mi. 02. März 2011 | 18:12 Uhr
Heute gibt es wieder einen Jahrestag. Genau vor 62 Jahren starb im Jahr 1939 im Alter von 69 Jahren der große Entdecker Howard Carter. Carter war ein Archäologe mit genialem Spürsinn. Er war aber auch ein Kämpfer, der stur bis zum Äußersten sein konnte, der mit seinem Kopf durch Wände ging, wenn es sein musste. Vermutlich hätte er sonst niemals das Grab von Tutanchamun entdeckt. Ohne sein energisches Wesen hätte er vermutlich niemals all die Schikanen und Schwierigkeiten durchgestanden, die ihm die ägyptischen Behörden über viele Jahre während der schwierigen Arbeit im Grab des Tutanchamun zugemutet haben. Carter, der sein ganzes Leben erfolgreich der Archäologie widmete, war trotz seines gesundheitlichen Handicaps, an dem er von Kind auf litt, auch eine schillernde Persönlichkeit. Er reiste 1891 im (für heutige Verhältnisse kaum vorstellbaren) Alter von nur 17 Jahren ganz allein ins fremde Land Ägypten, um dort als archäologischer Zeichner zu arbeiten. Trotzdem er keine Fachausbildung hatte und „nur“ zeichnerisch begabt war, erhielt er neun Jahre später den hochrangigen Posten eines Chefinspektors in der Antikenverwaltung. So was hat mit Sicherheit Neid von studierten Ägyptologen hervorgerufen, Kollegen, die bei dieser Postenvergabe leer ausgehen mussten. Nach Carters Versetzung aber kam es schließlich zu einem Streit mit pöbelnden Touristen aus Frankreich, so dass es massiven Ärger gab, Carter daraufhin seinen Job hinwarf und dann einige Jahre in Ägypten von der Hand in den Mund leben musste. Bis er Lord Carnarvon traf.
Mit dem Lord begann für Carter ein völlig neues und existenziell abgesichertes Leben. Nicht nur, dass die beiden jahrelang zusammen in Ägypten gruben und zahlreiche berühmte Entdeckungen vor Tutanchamun (1922) machen konnten. Der Lord hatte als reicher Sammler eine Schwäche für ägyptische Antiken und konnte als Ausgräber wegen der Fundteilung und kleinerer Geschäfte eine eigene Sammlung aufbauen, die man heute in Highclere Castle sehen kann.
Da gab es auch noch andere Seiten. Dadurch, dass Carter und der Lord Privatleute waren, wandten sich ägyptische Grabräuber sehr gerne an die beiden, wenn sie was illegal entdeckt hatten und zu verhökern dachten. Der Lord hatte nämlich, wie auch Howard Carter, beste Kontakte zu weltberühmten Museen. Und die Grabräuber, die gerne ihre „Ware“ teuer verkauften, scheuten sich natürlich, ihre gestohlenen Antiken direkt den Museen anzubieten. Sie schalteten Carter und den Lord als Mittelsmänner ein. Die Polizei tappte dabei meist im Dunklen, nur selten konnte man der einheimischen Räuber habhaft werden.
Natürlich ist so was aus heutiger Sicht nicht legal, das war es auch damals nicht. Auf diese Weise aber konnte so einiges an bedeutendem Kulturgut für die Weltöffentlichkeit gerettet werden, wie z. B. der berühmte Schatz der drei Prinzessinnen aus der frühen 18. Dynastie, der heute im Metropolitan Museum in New York zu sehen ist. Die Alternative zu diesen Geschäften wäre gewesen, dass die wertvollen Stücke in Privatsammlungen auf Nimmerwiedersehen verschwinden.
Nach seiner zehnjährigen Arbeit im stickigen, dunklen Grab des Tutanchamun reiste Carter sehr viel, hielt Vorträge und widmete sich in den letzten Jahren seines Lebens in London wieder dem Geschäft mit ägyptischen Antiquitäten. Mit seinem Fachwissen bescherte er den Museen manches Kleinod, bis er 1939 an Lymphdrüsenkrebs verstarb.
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