Königlicher Besuch bei einem König

Autor: Dr. Wolfgang Wettengel
Do. 12. Mai 2011 | 16:21 Uhr



Als Howard Carter und Lord Carnarvon nach der Bergung von den über 600 Objekten aus der Vorkammer gegen Mitte Februar 1923 offiziell die Sargkammer von König Tutanchamun öffneten, waren neben hochrangigen Vertretern von ägyptischen Behörden auf Einladung des Lords auch illustre Gäste aus aller Welt anwesend. Unter ihnen befand sich sogar eine Monarchin, Königin Elisabeth von Belgien. In unserer Ausstellung können die Besucher am Modell der Grabanlage im Eingangsbereich und in der Howard Carter- Ausstellung übrigens ein Foto dieser berühmten Visite am Grab des Königs sehen.

Von dieser Entdeckung und der Leistung der Wissenschaft der Ägyptologie angetan, gründete die Königin kurz darauf eine Stiftung. Ihr Zweck war es, die damals noch junge Ägyptologie zu fördern. Diese Stiftung hat, nebenbei bemerkt, bis heute Bestand und wird auch nach wie vor von der belgischen Krone maßgeblich finanziert. Für mich als Ägyptologen ist das ein besonders erfreulicher Umstand, vor allem, weil hier in Deutschland derzeit aus politischen wie finanziellen Gründen ägyptologische Einrichtungen an Universitäten wie in Marburg und Hamburg ums Überleben kämpfen bzw. dicht gemacht worden sind. Das ist schmerzlich, liefert doch die Ägyptologie Antworten auf die essentielle menschliche Frage, woher wir kommen. Nur so können wir, wie Goethe schon einmal sinngemäß feststellte, unsere Gegenwart bewusster gestalten – und damit auch unsere Zukunft meistern.

Es war mir daher eine besondere Freude, Anfang letzter Woche in unserer Schwesternausstellung in Brüssel einen Gast begrüßen zu können, der in dieser Tradition der Förderer von Kultur und Wissenschaften steht. Dieser Gast war Kronprinzessin Mathilde, ein Mitglied des belgischen Königshauses. Mit ihr erschien gleich ein ganzer Schwarm von Reportern. Die Prinzessin war äußerst interessiert und blieb länger als ursprünglich geplant in unserer Ausstellung, wie sich nach dem Rundgang herausstellte. Erst letzten Winter war die Prinzessin in Luxor gewesen und hatte dort das Grab von Tutanchamun besucht. In unserer Ausstellung konnte sie wieder das sehen, was eine belgische Königin vor 88 Jahren sah. Damit schloss sich gewissermaßen ein Kreis.

Auch wenn es aus konservatorischen Gründen nicht der originale Schatz sein kann, den wir in der Inszenierung der Grabkammern präsentieren, so war die Prinzessin so sehr von der Ausstellung angetan, dass Anfang dieser Woche gleich noch ein weiterer hoher Gast bei uns erschien. Und zwar völlig unangemeldet, offenbar um größeres Aufsehen zu vermeiden. Unsere Leute vor Ort glaubten ihren Augen nicht zu trauen. Es war die derzeit regierende Königin Paola von Belgien, die zu unserer Ausstellung kam.

Es wäre schön, wenn das Beispiel der belgischen Krone als Förderer von Kultur und Wissenschaft auch hierzulande wieder mehr Schule machen würde. Bei uns gibt es zwar keine Monarchie, aber so einige Privatleute, die vieles auf diesem Gebiet tun könnten. Semmel Concerts, der Finanzier dieser großartigen Ausstellung, in deren Schatten sehr viel geleistet wird, ist ein bedeutender Anfang, über den in kulturpolitischen Kreisen in Deutschland bereits viel gesprochen wird.

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Dr. Wolfgang Wettengel



Ägyptologe und wissenschaftlicher Leiter der Ausstellung