Kultur innovativ
Autor: Dr. Wolfgang Wettengel
Di. 08. Juni 2010 | 10:27 Uhr
Es wird immer wieder behauptet, Jugendliche wären desinteressiert, was Kultur und Bildung betrifft. Wenn ich aber durch unsere Ausstellung gehe, dann fällt mir jedes Mal auf, dass der Anteil vor allem von Familien mit Kindern und von Jugendlichen unter den Besuchern enorm hoch ist. Auch die Zahlen über die Resonanz bei Schulen, die mir von Helge Kranz über München und Hamburg kürzlich mitgeteilt worden sind, belegen dies. Helge betreut und koordiniert übrigens in unserer Ausstellung Gruppen und Führungen, dazu kommen noch Kinderführungen, Familienprogramme und Führungen zu speziellen Themen. Z.B. interessierte sich eine Kosmetikschule für die Schminktechniken im Alten Ägypten. Für Kinder wird es ab Juni dann noch eine Archäologieführung auf den Spuren von Howard Carter und die Entdeckung des Grabes von Tutanchamun geben.
Hier ganz kurz die Fakten zu den Schulen: In München haben etwa 39.000 Schüler in Klassen Tutanchamun - Sein Grab und die Schätze besucht und an über 1.000 Führungen teilgenommen. In Hamburg sind es bis heute etwa 41.000 Schüler in Klassen. Ähnlich waren die Zahlen in Zürich. Allerdings mussten wir in Hamburg das Führungsangebot stark einschränken, da es hier keine Ägyptologiestudenten als qualifizierte Führungskräfte mehr gibt. Das Fach Ägyptologie an der Universität Hamburg wurde aufgelöst.
Meine Schlussfolgerungen daraus: Kultur ist keineswegs out für die heutige Jugend – sofern sie interessant vermittelt wird. Unsere Ausstellung wird von Lehrern als eine ideale Möglichkeit genutzt, Unterrichtsstoff als Erlebnis zu vermitteln. Keine trockenen Jahreszahlen, Ereignisse und Namen, sondern Geschichte, die zur fundiert und spannend erzählten Geschichte wird. Der hohe Aufwand, der in die Ausstellung investiert wurde, hat sich gelohnt.
Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass unser Ausstellungsprojekt Zeichen setzt und wegweisend ist. Seit vielen Jahren arbeite ich mit Museen zusammen, konzipiere und organisiere verschiedene Sonderausstellungen zum Thema „Ägypten“. Obwohl diese Projekte immer gute Resonanz beim Publikum finden, können Ausstellungen meistens nur unter großen Schwierigkeiten und Widerständen verwirklicht werden. Dies liegt ganz einfach daran, dass den Museen heute sehr wenig finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.
Professor Antonio Loprieno, Rektor der Universität Basel und Ägyptologe, hat das Potenzial erkannt, das in unserem neuartigen Projekt steckt. Nach einem Besuch der Ausstellung in Zürich bezeichnete er in einem Interview der „Zürcher Neuen Zeitung“ Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze als einen „Befreiungsschlag“, der einen „Paradigmenwechsel“ in der Konzeption und Präsentation von archäologischen Ausstellungen auslösen wird.
Fazit: Unserem Team ist es gelungen, einen nicht unerheblichen Beitrag zur kulturellen Bildung beizusteuern.
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