Neues aus der Forschung -
Der Tut-Krimi geht weiter
Autor: Dr. Wolfgang Wettengel
Di. 04. Mai 2010 | 10:56 Uhr
In der Archäologie sind die Fakten nur selten so ergiebig, dass man gesichertes Wissen verkünden kann. Archäologen lesen Spuren – und manchmal müssen sie dabei ihre Intuition einbringen ohne wild drauflos zu spekulieren.
Auch Tutanchamun gibt uns trotz neuester Untersuchungen der Mumie weitere Rätsel auf. Vor allem, was seine Herkunft betrifft. Für unsere Wissenslücke sind in erster Linie die königlichen Nachfolger von Tutanchamun verantwortlich. Nachfolgende Pharaonen wie Haremhab ließen Tutanchamuns Namen ausmeißeln und seine Statuen für eigene Zwecke verwenden, weil er zu den verhassten Amarnakönigen gezählt wurde. Diese Politik der Namenstilgung war derartig erfolgreich, dass Tutanchamun bis zur Entdeckung seines Grabes im Gedächtnis der Nachwelt vergessen war.
Tutanchamuns dürften Geschwister gewesen sein. Ehen unter Geschwistern waren aus dynastischen und religiösen Gründen bei den Pharaonen nichts Ungewöhnliches. Echnaton wird wohl der Vater von Tutanchamun sein. Doch ganz sicher ist das noch keineswegs. Immerhin steht da noch eine Figur im Schatten des Dreigestirns Echnaton, Nofretete und Tutanchamun: Semenchkare! Über diesen ominösen König, der unmittelbar vor Tutanchamun für kurze Zeit regiert hat, weiß man außer dem Namen leider fast überhaupt nichts!
Und wer die mysteriöse Frau aus dem Grab KV 35 ist, die man jetzt mittels einer DNA-Analyse als Tuts Mutter identifizieren konnte, wissen wir nicht. War diese „Younger Lady“, wie wir sie heute nennen, eine Schwester Echnatons, die er in späteren Jahren noch heiratete? Der Name dieser Frau steht nun leider nicht auf ihrer Mumie. Echnatons Gemahlin Nofretete dürfte es jedenfalls nicht sein. Sie ist nicht von königlicher Herkunft. Das aber müsste sie sein, wenn die Eltern von Tut Geschwister waren. Hier können nur neue archäologische Funde Licht ins Dunkel bringen.
Rätselhaft bleibt trotz der jüngsten medizinischen Untersuchungen der Mumie auch die Todesursache des jungen Königs. Tutanchamun hat an Malaria und an Knochennekrose gelitten, einer Krankheit, bei der es zu einer schweren Schädigung des Knochengewebes kommen kann. Doch muss der König keineswegs daran gestorben sein, denn beide Krankheiten sind nicht unmittelbar tödlich. Die Todesursache könnte die schwere Verletzung am linken Knie gewesen sein, die man im Jahr 2005 diagnostiziert hat. Aber wie es zu dieser Verletzung kam, das bleibt wohl für immer Tutanchamuns Geheimnis
Wenn mich jetzt noch jemand fragt, warum man soviel Aufwand um einen längst verstorbenen König macht: Über das Thema „Tutanchamun“ erfahren wir auch eine Menge Hintergrundinformation über die altägyptische Kultur. Alle interessierten Besucher unserer Ausstellung profitieren davon. Zudem geht es um eine spannende Geschichte, die sich einst tatsächlich zugetragen hat und bei der es sich lohnt, dass sie irgendwann einmal möglichst ganz erzählt werden kann.
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