Unsere Neueröffnung in Irland: 88 Jahre danach
Autor: Dr. Wolfgang Wettengel
Di. 22. Februar 2011 | 15:39 Uhr
Auf den Jahrestag genau, als nach dem Ausräumen der Vorkammer die Sargkammer Tutanchamuns am 16. und 17. Februar 1923 im Beisein ausgewählter Persönlichkeiten geöffnet wurde, eröffneten wir letzte Woche in Dublin eine unserer Schwesternausstellungen. Der erste Tag von „Tutankhamun – His Tomb and His Treasures“ in Irland wurde von uns allen wieder mit großer Spannung erwartet. Wir wurden nicht enttäuscht. Gekommen waren ebenfalls Persönlichkeiten aus Politik und Presse. Neben dem ägyptischen Botschafter und der irischen Kulturministerin waren Diplomaten von sage und schreibe über einem Dutzend Ländern anwesend. Ein ungeheueres öffentliches Interesse, Pressemeldungen zuhauf, und das nicht nur wegen der vielen anwesenden Diplomaten. Die Ausstellung sei wegen ihres völlig neuartigen Konzeptes eine Sensation, konnte man lesen, und die renommierte „Irish Times“ schrieb in der Überschrift letzten Freitag sogar: „Revolution praised as Tutankhamun exhibition opens“. So ein großes Echo in der Presse freut uns alle natürlich sehr.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich einen Blick zurück werfen. Für Arthur Mace, den Konservator in Carters Team, war damals die Öffnung der Sargkammer ein derart intensives Erlebnis, das man „gar nicht zu Papier bringen könne“. Und: „... wir waren alle mehr oder weniger wie Verrückte. Die Aufregung war zuviel für uns, und ich bin sicher, dass jeder, der hereinkam, gesagt hätte, wir alle hätten zuviel getrunken.“ Tatsächlich schreibt er über die Ereignisse erst zwei Wochen später, am 3. März 1923, als er sich zur Entspannung im Cataract Hotel in Assuan aufhielt und dort einigermaßen zur Ruhe kam.
Doch weniger entspannt als bei unserer Eröffnung war damals der Umgang mit der Presse. Lord Carnarvon schloss einen Exklusivvertrag mit der „London Times“ ab, vor allem, um wegen der komplizierten Bergungsarbeiten einen Ansturm von Reportern zu vermeiden. Dieser Vertrag solle ihm allerdings viel Ärger mit der Weltpresse und den Ägyptern einbringen. Während Carter, der Lord und ein ausgewähltes Publikum sich aufgeregt vorbereiten, im Grab die Wand zur Sargkammer zu öffnen, musste z.B. ein ehemaliger Kollege von Howard Carter draußen vor dem Eingang zum Grab stehen. Es ist Artur Weigall, ein Ägyptologe, der jetzt als Reporter der Sonderkorrespondent der „Daily Mail“ für Luxor arbeitet. Er beobachtet aufmerksam das Szenario und notiert: „Da war irgend etwas sehr ernstes, und auch tragisches in diesem Erwachen des einst großen Königs, nachdem sein Reich lange in Stücke zerfallen und sein Glanz vergangen war ... Wind kam plötzlich auf, als die Gesellschaft die Stufen hinabging, und er wirbelte den heißen, weißen Sand auf, um ihn in zornigen, kleinen Wirbeln in die Luft zu schicken. Man möchte dabei fast geglaubt haben, dass diese irgendwie mit dem Geist des toten Pharao verbunden sind ... Lord Carnarvon, vielleicht etwas überspannt wegen der Erregung dieses Moments, wollte die witzige Bemerkung machen, dass sie hinabgehen, um ein Konzert im Grab zu geben. Seine Worte machten mir trotz dieses Moments Sorge ... Und ich wandte mich zu dem Mann neben mir und sagte: ‚Wenn er in diesem Geist hinabgeht, gebe ich ihm sechs Wochen zu leben.’“
Tatsächlich verstarb der Lord Anfang April, also nur wenige Wochen später, und Weigall war damit einer derjenigen Presseleute, die den „Fluch des Tutanchamun“ maßgeblich in die Welt gesetzt hatten.
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