Was kostet Tutanchamuns goldene Maske?

Autor: Dr. Wolfgang Wettengel
Fr. 25. März 2011 | 10:28 Uhr



Viele Besucher fragen uns immer wieder, wie viel denn die Originale aus dem Schatz von König Tutanchamun eigentlich wert sein würden. Die Fragen nach dem Preis der Kunstschätze aus dem Grab kreisen dabei vor allem immer wieder um ein Objekt. Jeder auf der Welt kennt es. Es ist das Herzstück des gesamten Schatzes: Die goldene Maske des Pharaos.

Tutanchamuns goldene Maske hat die Plünderungsversuche im Ägyptischen Museum in Kairo zum Glück heil überstanden. Sie wiegt etwa 11 kg und ist aus purem Gold mit Einlagen aus Glaspaste und Schmucksteinen gefertigt. Kaum jemand aber kennt ihren tatsächlichen Wert. Geht man von ihrem Metallwert aus, so läst sich der schnell ermitteln. Allerdings ist der Metallwert hier nicht allein maßgeblich. Er fällt – man staune – trotz der 11 kg schweren Masse bei genauer Betrachtung sogar kaum ins Gewicht unserer Berechnungen, wie wir gleich sehen werden. Somit ist die Sache nicht ganz so einfach, wie es zunächst scheint.

Der reine Metallwert würde nach heutigem Goldpreis etwa 350.000.- EUR entsprechen. Zur Information: 1 kg Gold wird derzeit grob gerechnet mit über 30.000,-- EUR gehandelt. 350.000.- EUR sind bereits eine Menge Geld. Aber der echte Wert dieses einzigartigen Kunstwerkes muss anders taxiert werden. Hier geht es um den kunsthistorischen Wert. Und dieser ist erheblich höher. Nebenbei: Die bemalte Berliner Büste der Nofretete aus Gips und Stein wird bereits auf 390 Millionen US $ geschätzt!

Würde die Maske an ein Museum außerhalb Ägyptens ausgeliehen, was bei der großen Ausstellungstour vor 30 Jahren geschah und heute mit Sicherheit nicht mehr gemacht wird, so würde die Versicherungssumme heute dafür wohl mehrere Milliarden EUR betragen. Einen Preis in dieser Höhe könnte die Maske vermutlich auch im Rahmen einer hochkarätigen Kunstauktion erzielen. Es gibt durchaus Menschen, die soviel Geld haben und vermutlich zwei bis vier Milliarden Euro bezahlen würden, nur, um solch ein einmaliges Werk zu besitzen. Was heute für moderne Kunst ausgegeben werden kann, das zeigt uns ein Beispiel. Ein Bild des Malers Jackson Pollock (1912-1956) mit dem Titel „No. 5, 1948“ wurde vor fünf Jahren an einen anonymen Sammler für 140 Millionen Dollar verkauft. Es ist die höchste Summe, die bis dahin weltweit jemals für ein Gemälde gezahlt wurde.

In unserem Fall bedeutet dies, dass der tatsächliche Wert der über 3300 Jahre alten goldenen Maske Tutanchamuns weitaus höher sein dürfte als der dreitausendfache Wert des dabei verarbeiteten Goldes. Doch das einzigartige Original würde natürlich niemals verkauft werden. Die Goldmaske ist und bleibt eines der Nationalheiligtümer Ägyptens.

Kommentare


Es wurde ein Kommentar zu »Was kostet Tutanchamuns goldene Maske?« abgegeben:


Italienreisender


So. 03. April 2011 | 19:26 Uhr

Der Preis der Maske/ des Grabfundes ist völlig unerheblich, denn der kulturhistorische Wert für die Menschheit ist unendlich hoch. Menschen, die das Potential haben, 140 Mio. € für ein Bild auszugeben, um es schlicht zu besitzen, sollten sich fragen, ob das das bloße Besitzen erstrebenswert ist. Ein solcher Betrag, eingesetzt in die Erforschung der Vergangenheit oder der Zukunft, wird ebenfalls zu Ruhm und Ehre führen - siehe Lord Carnarvon. Wenn wir wissen, woher wir kommen und wohin die Reise gehen kann - werden wir eine Zukunft haben. Die "Sternstunde" am Freitag Abend war ein ganz besonderes Erlebnis, für das ich den Veranstaltern sehr danke. Auch war es ein angenehmes Publikum, insbesondere ein blonde, junge Dame, die ebenso immer wieder staunend und lächelnd vor all den Schätzen stand wie ich. Dabei sind wir uns immer wieder über den Weg gelaufen. Schade, dass wir uns aus den Augen verloren haben - hätte sie gerne zu ihrer Meinung befragt. Insgesamt verdient der Abend das Prädikat "Sternstunde"

Anmerkung des Tutanchamun-Ausstellungs-Teams
Lieber Italienreisender, Ihr Beitrag ist ein wunderbares Schlusswort auf die Frage nach dem materiellen Wert und dem privaten Besitz von einzigartigen Kunstgegenständen. Generell gilt schon immer: Wenn jemand Geld und Macht nicht für egoistische Zwecke einsetzt, sondern für eine gute Sache, der er aus Überzeugung und auch von Herzen dient, dann entstehen großartige Dinge. Leider geschehen um Kunstwerke immer wieder Absurditäten, wie z.B. im Fall eines Bildes von van Gogh, das im Jahr 1990 von dem japanischen Industriellen und Kunstsammler Ryoei Saito zu einem damaligen Rekordpreis von 135 Millionen DM ersteigert wurde. Saito kündigte damals unter Protest der Weltöffentlichkeit an, sich mit diesem Bild bestatten zu lassen. Er verstarb 1996 und hinterließ der Weltöffentlichkeit seine Sammlung mit einmaligen Kunstwerken, doch von dem van Gogh fehlt seitdem leider jede Spur. In diesem Fall liegt, wie es scheint, das Gute und das Absurde sehr nahe beieinander. Herzlichst, Ihr Dr. Wolfgang Wettengel



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Dr. Wolfgang Wettengel



Ägyptologe und wissenschaftlicher Leiter der Ausstellung